Uwes Lyricon
Uwes Lyricon

Psalm der gebückten Frau

 

 

Seit nunmehr 18 Jahren bin ich eine gekrümmte Frau gewesen. Mir wollte es aber scheinen, als wäre ich schon immer so. Und als würde ich niemals wieder genesen. Abgrundtiefe Enttäuschung stand an meiner Wege Beginn. Seither bin ich ohne Mut gewesen und haderte oft mit meines Lebens Sinn. Niemand wendete sein Antlitz zu mir her und keiner schenkte mir seine Sorge oder Achtung mehr. Ich wähnte meiner dessen auch schon lange nicht mehr wert. So wagte ich selten nur den Schritt vor das Haus und wo immer ich auf andere traf, wich ich ihnen aus, mied ich den Weg in ihre Mitte. Abseits der Anderen ist mein Platz und das auch immer nur vorübergehend.

 

Jesus, Du aber nahmst mich wahr, erkanntest mich trotz großer räumlicher Entfernung zwischen uns, trotz der soviel größeren Distanzierung in mir. Du winktest mich heran zu Dir.

Meint er mich? Tatsächlich mich? Habe ich mich denn nicht vertan?... schoss es mir durch den Kopf und ein Stich traf mein Herz. Trotz all der anderen, die sich um Dich drängten, fiel Dein Blick auf mich....auf mich.... und hielt mich.... wie einen Satelliten auf der Bahn zu Dir. Wie warm war mir in Deiner Nähe, wie stützte mich Dein Blick.....Und als dann Du mich sogar berührtest, mit zarter Hand mich segnend heiltest und mich wie eine Prima Donna vor die anderen führtest, ward vor Glück ich aufgerichtet und dem Zerspringen nah. Ich war im Nu gewandelt. Doch noch ein Mal wurd' der Mut mir klein. Der Pharisäer stellte vor mir und all den anderen zur Rede Dich, was Du am Sabbat in seinem Tempel mit einer Frau....solches dürfe nach dem Gesetz nicht sein.

 

Du aber belehrtest ihn, dass die Heilung der Not, niemals behindert werde durch ein Sabbat- oder Tempelgebot. Wiewohl Du sanft Dich an ihn wandtest, blieb erzürnt er und ward nicht bereit, Dir nachzugeben. Doch vermochte er nichts auszurichten gegen die Begeisterung der anderen alle. Und so führtest Du mich, die lang Gemiedene, in ihre Mitte.Von da an gehöre ich endlich wieder zu ihnen. Aber mehr noch gilt mir nun: von da an gehöre ich auch zu Dir. Wo immer ich nun mit den anderen zusammentreffe, besinge ich das Heil, das mir durch Dich ist widerfahren. Welche Kraft kommt mir seitdem aus Deinen Worten, welcher Mut aus Deinem Gebaren.

Unerschrocken und aufrecht, wie Du, ich die vormals Gehemmte.

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